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Rapboard Moderator
    
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« am: 17.März.2005 14:52:59 » |
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Er wartete. Seit Stunden schon saß er hier auf der kleinen Mauer. Es dämmerte bereits. Menschen hasteten an ihm vorbei. In all der Zeit, die er heute hier verbracht hatte, waren es sicher schon Tausende. Doch niemand schien ihn zu beachten. Keiner sah ihn an und wenn doch, dann blieb der Blick nicht an ihm haften, sondern schweifte weiter.
Möglicherweise lag das an seinem Äußeren. Es gab nichts, was einem Betrachter interessant genug erscheinen könnte, um dem Mann am Straßenrand seine Aufmerksamkeit zu schenken. Die ziegelbraune Kleidung hob sich kaum von der Mauer ab, auf der er saß, die Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen. Der kleine Teil, der nicht hinter der Kapuze verborgen war, hätte einen eventuellen Betrachter stutzen lassen können. Er hätte eins dieser Gesichter erblickt, die einem bekannt vorkommen, auch wenn man sie in Wirklichkeit zum ersten Mal sieht. Nicht weil es dem eines bestimmten Menschen ähnelte, sondern eher, weil es mit so vielen Ähnlichkeit hatte. Langsam glitt er von der Mauer. Die Sonne war nun untergegangen, doch in der Stadt war der tag noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil, es schien, als wären die Leute, die wie die Ameisen in ihrem Haufen durcheinander wuselten noch mehr geworden. Er hob seinen Rucksack auf und bahnte sich mit geschmeidigen Schritten einen Weg durch die Masse. Obwohl ihn immer noch niemand zu bemerken schien, schaffte er es kein einziges Mal, einen Passanten zu berühren. Vor einem graugestrichenen Mietshaus wurde er langsamer. Er schien sich tatsächlich seiner Umgebung anzupassen. Auch seine Kleidung schimmerte nun in einem dunklen Grauton. Vorsichtig stellte er seinen Rucksack ab, packte mit einem leisen Klackern einige Sprühdosen aus und setzte seinen Weg fort. Eine Gruppe junger Männer kam vorbei. Einer riss einen Witz, alle anderen lachten laut los. „Du bist so lustig, Mike“, prustete einer. Man hörte kurz das Sprühgeräusch der Dosen. Einen Moment später prangte von der grauen Hauswand ein farbenfroher Schriftzug. „Mike“ stand da in fröhlich hüpfenden Lettern. Der Schaffer dieses Kunstwerks zog weiter. Auf der anderen Straßenseite hockten einige lauthals diskutierende Punks. Sekunden später war auf einem Stromkasten ein großes rotes A in einem Kreis zu sehen. Er schnappte stets nur einige Wortfetzen auf. „Ich würde alles für ihn tun“, erzählte eine Frau mittleren Alters ihrer Freundin. „Liebe macht blind“, kritzelte die Geheimnisvolle Person mit Edding auf eine Telefonzelle. Sie blickte sich suchend um, doch niemand nahm den Mann mit der Kapuze wahr. Zwei Kahlrasierte in Bomberjacken pöbelten an einer Dönerbude den Besitzer an. Und wieder ertönte das Zischen der Dosen. „Jeder ist irgendwo Ausländer“, stand an der Mauer hinter dem Wagen. Direkt daneben waren zwei große S zu lesen. So ging es die ganze Nacht weiter. Was ihm zu Ohren kam, war kurz darauf auf einer Hauswand eine Haustür oder ein Schaufenster gebannt. Die Morgendämmerung setzte bereits ein. Er kam schließlich wieder an seiner Ziegelmauer an. Behende zog er sich hoch und setzte sich. Er wusste, er würde wieder warten, bis die Dunkelheit hereinbricht.
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