Mono und Nikitaman Interview 03.04.2004
(C)Agentur73 mit Unterstützung von Rootdown RecordsDie Tiere die du ein Leben lang einsperrst werden dich irgendwann beißen...Force: Wir haben einen Platz gefunden..., ich sitze hier mit Mono und Nikitaman, zwei deutschsprachige Reggae/Dancehallkünstler, die gerade ihr Album "Das Spiel beginnt" veröffentlich haben, hallo...
Mono und Nikitaman: Hallo...
Force: Was war für euch die "Initialzündung", euch mit Musik als Lebensinhalt zu beschäftigen, abgesehen von allen Geschichten die euch zum Reggae gebracht haben, dazu kommen wir gleich.
Nikitaman: Für mich ist es sehr schön, dass ich das Glück habe, in einer Gesellschaft wo mir viele Sachen nicht passen, einfach nur in einem Unternehmen arbeiten muss - einen Mehrwert erschaffe - und andere an mir Geld verdienen, sondern ich Musik machen kann, eine Kunst machen kann, die auch noch andere Leute beeinflusst und denen Spass gibt - das ist schon was ziemlich grossartiges. Wenn man mal darauf gekommen ist, dass man auch davon leben kann, dann will man eigentlich nichts anderes mehr machen. Musik hab ich eigentlich schon immer gemacht, ich hab immer schon rumgetrommelt oder in Bands gespielt. Das als Job zu machen ist für mich einfach ein Idealfall - mit der Kunst die man macht Geld zu verdienen.
Force: ...verdient man Geld damit?
Nikitaman: Wir leben davon. Dadurch dass wir nicht soviele Ausgaben haben, was Miete angeht - durch besetzte Häuser und so - können wir davon leben.
Mono: Für mich war der Auslöser - ich habe Kunst studiert, irgendwann war mir das aber alles zu trocken - Musik war dann am unmittelbarsten, man spürt es, man lebt es, man kann es direkt mit allen Sinnen aufnehmen. Im Vergleich - ein Bild guckst du nur an - Musik lebst du aktiv, das war der Auslöser.
Force an Nikitaman: Ahh Loco.., die Platte, ich finde das Cover einfach göttlich, wie ist's entstanden?
Nikitaman: Ich hab mir überlegt was ich haben will auf'm Cover und hab meine Pinnwand zusammengepinnt mit Sachen die ich hab', das ist bei mir zuhause auf'm Tresen, da wo die Anlage steht und das Bild hat ein Freund geschossen...
Force an Mono: In meiner Rezession zu eurer Platte habe ich absichtlich in die Richtung argumentiert, dass Dein Aufenthalt in England (Anmerk. d. A.: in St. Pauls - das jamaikanische Viertel von Bristol) der Ausschlag für Reggaemusik in deinem Leben war. Lieg ich völlig falsch, wär's auch ohne das passiert...
Mono: Vielleich wär's so auch passiert. Ich hab dort in England in nem Plattenladen gearbeitet und als meinen Lohn hab ich mir dann immer die Reggaeplatten mitgenommen. Das hat mich da total geflasht weil dort die Kultur einfach lebendig ist. Es gab dann auch in Linz (Anmerk. d. A.: ihre Heimatstadt) das Soundgood Soundsystem zu dem ich gekommen bin. Wahrscheinlich wär ich auch zu diesem Sound gekommen wenn ich in Linz geblieben wäre.
Force: Also ist nicht England der Auslöser?
Mono: Es war der erste Kick.
Force an Nikitaman: Was denkst du, was würdest du heute machen, wenn es sie (Mono) nicht gäbe - als Künstlerin. Die Musikschiene bist du vorher auch schon gefahren aber würdest du trotzdem Musik so machen - in dem Stil...
Nikitaman: Sicher schon... bevor ich mit Mono zusammen die Platte gemacht hab, hab ich die EP gemacht, bin vorher auch schon durch die Gegend gezogen und hab Dancehall- Reggaelieder gesungen.
Force: Als du sieben warst, deine Mutter war Hausbesetzer - du zogst durch die Lande oder wurdest durch die Lande gezogen. Musik spielt in diesem Umfeld eine Rolle. Ich hab mir das so zusammengereimt dass du, aufgewachsen mit Punk, über Ska zum Reggae gekommen bist...?
Nikitaman (lacht): Das mit dem Ska steht irgendwo beim Label geschrieben, ich hab da schon gemeint dass das nicht ganz richtig ist. Klar ist, viele Punkkonzerte waren in den besetzten Häusern, viele Straßenmusiker, u. a. haben wir auch The Clash gehört - die haben auch paar Reggaelieder - Ska ist auch nicht weit davon entfernt. Ich hab einige Skakonzerte gesehen, kann aber nicht sagen dass ich darüber zum Reggae gekommen bin. - Die ersten Bob Marley Platten hört man von seinen Eltern - ich hab in Bands gespielt mit Afrikanern zusammen, die immer wieder Reggaeeinflüsse hatten und irgendwann war es da. Ich kann nicht sagen es war der Moment oder der bestimmte Tag. Ich hab früher viele Dubsachen gehört. Es gehört alles zu dieser Reggaefamily - irgendwann hab ich gemerkt, dass ist der Sound den ich am liebsten mag.
Force: Wenn man Punk und Hausbesetzer aus dem Kontext gerissen hört hat man nicht das Bild eines Typen im Kopf der Wirtschaftsabi hat und Groß- und Aussenhandelskaufmann gelernt hat. An welcher Stelle kam da ein "geregeltes" Leben?
Nikitaman: Es war so, dass mein Vater immer ein ziemlich geregeltes Leben hatte, meine Mutter Häuser besetzt hat und ich beide Welten miterlebt hab...
Force: ...war sonst aber schon ein normales Leben, warst auf einer normalen Schule...
Nikitaman: Auf jeden Fall. Wir haben halt öfter die Häuser gewechselt, mal nach drei Monaten, mal nach 'nem halben Jahr. Als Kind ist es ja normal, egal wo du als Kind aufwächst. Ich hab normal meine Schule gemacht, später mit 17 'ne eigene Wohnung gehabt und dann ziemlich schnell mit Musik angefangen. Es fühlt sich für mich ziemlich normal an. Ich konnte mir immer das gute aus beiden Welten aussuchen. - Ich hab auch festgestellt dass einen Punks komisch angucken wenn man normale Klamotten an hat. Ich hab immer in besetzten Häusern gewohnt aber sah nicht immer unbedingt punkig aus. Hab dadurch festgestellt dass Vorurteile auf beiden Seiten herrschen und war dadurch relativ neutral - hab mir immer beide Seiten angeschaut aber kann keine missen. In besetzten Häusern aufzuwachsen ist super, und ein bisschen von der Welt draussen mitzukriegen - von der Gesellschaft wie sie ist - ist auch gut, weil man muss sie ja kennen um sie bekämpfen zu können. (lacht)
Force: Bekämpfst du die Gesellschaft?
Nikitaman: Strukturen vielleicht, nicht die Gesellschaft aber Strukturen.
Mono: Wir versuchen in unseren Songs auch immer wieder auf Themen aufmerksam zu machen die nicht so laufen wie sie sollen.
Force: Deine Kindheit?
Mono: Ich bin in Oesterreich aufgewachsen, voll in der Natur, hab immer mit Freunden gespielt und mit meinen Bäumen (Lachen geht durch die Runde) - ich bin super behütet aufgewachsen...
Force: Musik in deiner Kindheit?
Mono: Rivers of Babylon... alles, die ganzen jamaikanischen Lieder, die war'n doch alle in den Charts damals (Nikitaman lacht "alle") - naja nicht alle aber viele, Peter Tosh war in den Charts, Bob Marley, UB40... man ist ja eigentlich auch in Europa damals schon zugeballert wurden mit Reggae.
Force: Später warst du dann in Hamburg und jetzt seid ihr beide in Düsseldorf?
Mono: Ja.
Force: Ich find Düsseldorf sehr geil aber du hast mal gesagt (an Nikitaman) Düsseldorf ist "schweinehässlich".
Nikitaman: Ja ist es auch.
Force: Warum, was gefällt dir an der Stadt nicht.
Nikitaman: Ist ein bisschen zu wenig Natur, zu schlechte Luft und manchmal ein bisschen zu seltsamer Vibe. Es ist aber mein Zuhause, ich habe meine Freunde da. Bei mir in der Straße ist's wirklich schön, im Sommer sitzen die Leute draussen, man kennt sich - es ist schon noch eine Gemeinschaft - und nicht der anonyme Nachbar - das find ich sehr positiv an Düsseldorf. Ansonsten halt... es sind superviele Menschen in der Umgebung, Stadt reiht sich an Stadt - in dem gesamten Ballungsgebiet sind es 15 oder 20 Millionen Menschen und das merkt man halt, jeder hält die Ellenbogen raus.
Force: Ich war 1998 zum ersten Mal da und hatte eigentlich 'n geilen Eindruck, es war Sommer, es waren Wiesen, es war am Rhein und es war geil... hab ich mir vielleicht ein falsches Bild aufgebaut...
Nikitaman: Ne... es gibt ja in jeder Stadt schön Parts, es ist alles eine Frage von Lebensqualität. Es gibt auch die hässlichen Ecken und nicht soviele Wälder oder Natur wie es zum Beispiel auch hier in der Umgebung ist.
Kurze Pause.
Force: Immernoch Düsseldorf das Thema. Geht man weg in Düsseldorf? Wohin?
Nikitaman: ...Culture Rock spielen jeden zweiten Samstag im Zack. Bei uns in der Straße gibts das AK47, so ein Punkladen, wo wir auch spielen werden im Rahmen der Tour, am 18.4. wenn jemand da ist, dann in der Altstadt im Unique Club (Anmerk. d. A. Bolkerstraße 30)...
Mono: ...und Köln ist nicht weit weg, wenn Düsseldorf nicht reicht
(Lachen)
Force: ...auf meinem Zettel am Rand steht "Pro Köln - Pro Düsseldorf"
Mono: ...da kenn ich mich nicht aus (lacht)
Force: Warum gibts in Köln keine Hinweisschilder nach Düsseldorf, andersherum aber schon?
Nikitaman: Die Firma die diese Verkehrsschilder herstellt sitzt in Köln, die haben es nicht so gerne dass die Landeshauptstadt Düsseldorf groß auf den Hinweisschildern steht weil Köln eigentlich viel größer ist und eigentlich mehr dazu berechtigt Landeshauptstadt zu sein, und eigentlich auch älter ist und mehr Kultur hat, aber es war dann doch so - bei der Schlacht um Worringen 1288 - haben sich die Düsseldorfer independent gemacht und seitdem gibts da auch diese große Fehde zwischen den zwei Städten.
Force: Du bist aber keiner der dann sagt, ich muss um meine Stadt kämpfen, so dann schon auch nicht, oder?
Nikitaman: Ne. Ich bin Rheinländer.
Force: Düsseldorfs kleinere Locations... kennt ihr die Schaukel?
Nikitaman: Ja sicher, da hat meine Mutter mal gearbeitet.
Force: Vaseline?
Nikitaman (denkt nach): Nein.
Force: Das ist ne Garage in einer kleinen Seitengasse. Der Typ der da arbeitet, es ist nicht verwerflich wenn mans so sagt, ist stockschwul. Das ist so ein An- und Verkauf, Trödelladenstyles... wir liefen so vorbei und er meinte, "mir hat jemand Tucke auf meinen Briefkasten geschrieben, ich werds mir jetzt mit Straßsteinchen verzieren"
Mono und Nikitaman lachen: Den kenn ich aber...
Force: Er hat so einen kleinen Hund, der Hund trägt 'n Schweißband und flitzt dann immer um ihn rum... aber Schaukel ist schon bekannt?
Nikitaman: Ja ja, als wir so 15/16 waren sind wir immer in die kleinen Kaffees gegangen, da gibts viele von, Engelchen ist direkt gegenüber.
Kurze Pause.
Force an Nikitaman: Du bist viel rumgekommen in der Welt, wie hast du das finanziert?
Nikitaman: Wenn man wegfährt und länger wegbleibt dann kostet das Leben da ja genausoviel bzw. eigentlich viel viel weniger als wenn man hier bleibt. Ich war ein halbes Jahr in Indien, hab Filmjobs gemacht, bei der Requisite für Kinofilme gearbeitet - solche Sachen teilweise drei bis vier Monate, und davon kann man durchaus ein halbes Jahr wegfahren weils doch ganz gut bezahlt wird.
Force: Wo fühlst du dich zuhause?
Nikitaman: Eigentlich immer da wo nette Menschen sind und ich mich spontan wohlfühlen kann. Ich hab in Düsseldorf Freunde und fühl mich da zuhause, ich hab auch woanders Freunde und fühl mich da zuhause, es gibt keinen fixen Punkt.
Force: Gabs in der ganzen Zeit irgendwelche besonderen Erlebnisse...
Mono: Es gibt tausende Sachen, man kann sich über jedes kleine Ding freuen. Ich hab in San Francisco bei Leuten gewohnt mit denen ich Musik gemacht habe und es war total schön - und es war in England schön... überall kann man was schönes finden, selbst wenn man nur auf 'ner einsamen Insel strandet...
Nikitaman: ...jeden Tag können Dinge passieren die einen verändern können, die das Leben verändern können. Das passiert wenn man sich bewegt, wenn man wegfährt, aber kann dir auch genauso vor deiner Haustür passieren. Man trifft jeden Tag Menschen, hat jeden Tag Erlebnisse die einen verändern, dieses ganze Mosaik bildet einen. Es gibt natürlich Tage wo extremere Ereignisse passieren...
Kurze Pause.
Force: Wenn ihr konkret in Deutschland unterwegs seit... werdet ihr erkannt auf der Straße...
Nikitaman: In den Clubs wo wir spielen ja, aber auf der Straße, nein.
Force: In welcher Form gibts Feedback von den Leuten mit denen ihr zu tun habt, krasse Erlebnisse, Drohbriefe? (lacht)
Nikitaman: Wir haben gerade unsere Internetseite online gestellt,
www.mono-nikitaman.de, mit 'nem Gästebuch und es gibt nur positive Einträge... insgesamt, die Fans die wir haben sind so irie, oder nett, da kann man echt nur tausendmal danke sagen... Hater, Neider gibts überall aber ich seh sie nicht und ich hör sie nicht weil ich sie auch nicht sehen will und nicht hören will.
Force: Die Szene selbst. Es sind in Deutschland ja nicht wirklich viele (Mainstream)Acts was Dancehall oder Reggae angeht, gibts wirklich eine Reggaeszene als Musikszene in Deutschland oder ist es mehr so ein Undergroundding, hinter vorgehaltener Hand, klein und unbeachtet.
Mono: Es ist schon noch Underground, aber es fängt grad an sich zu entwickeln. Deutscher Reggae oder deutscher Dancehall steht mommentan noch in den Kinderschuhen. Es ist noch nicht die lebendige Szene da die man sich vielleicht wünscht, aber es wird kommen.
Force: Ist wahrscheinlich im Augenblick viel zu übertrieben aber wie stehts um die Gefahr, man hats in diesen ganzen anderen Szenen gesehen, dass es irgendwann zum Ausverkauf wird, es wird in den Medien gepusht, es kommen Acts nach Acts, es wird gecastet...
Nikitaman: Ich glaube die Angst...
Force: ...und wird dann genauso verkauft und verbrannt wie alles andere.
Nikitaman: ...die Angst ist glaub ich ziemlich unberechtigt im Moment, weil eigentlich immer mehr Acts gedropt werden, es werden garnicht viele Acts gesigned, wenn man sich mal überlegt, es gibt achzig Millionen Menschen in Deutschland und es gibt viele Menschen die Musik machen, wie Mono schon sagt, deutschsprachiger Reggae und Dancehall, das ist 'ne kleine Gruppe von Menschen... wieviele deutschsprachige Dancehall-Alben gibt es denn, Fragezeichen? Bis jetzt weiss ich von drei oder vier, Lazy fünf... so FÜNF, wow, ich kann da nicht von Ausverkauf reden... man sagt immer schnell irgendwie, sobald ein Act rauskommt und grosse Werbung hat und ein Video hat ist er ein Komerzact... - das Geld was umgesetzt wird in der Musikindustrie ist wesentlich weniger als beim Weihnachsbaumverkauf jedes Jahr, also warum die große Panik?
Force: In die Zukunft gesehen? Bis jetzt hats bei jeder Szene solche Ausmaße angenommen...
Nikitaman: Ja schon, aber welche Acts gabs denn... Mellow Mark, Mellow Mark ist gedropt, D-Flame ist gedropt worden von seinem Label... Seeed ist nicht nur ein rein deutsches Dancehallding, das ist 'ne eigene Band mit 'nem eigenen Style, auf jedenfall vielen Reggae- aber auch anderen Einflüssen... und dann gibts noch Gentleman, aber das wars dann. Natürlich gibts viele viele kleine Bands und viele Künstler so wie wir die hervorragene Musik machen und schon seit Jahren existieren und das sind für mich die jenigen die die lebendige Szene machen und ich glaube nicht dass es unbedingt sehr schlimm wäre wenn ein paar von denen noch größer werden und kommerzielle Erfolge leisten - solang sie sich nicht selbst verkaufen und ehrlich zu sich selbst sind. Die Geschwindigkeit des Wachstums ist halt wichtig - wie du sagst - ich glaube wenn jetzt Labels viel Geld hätten und schnell viele Acts signen würden, dann würde die Musikrichtung wahrscheinlich schnell den Bach runter gehen, schneller als sie jetzt wächst, denn sie ist ja noch gar nicht richtig da... allgegenwärtig, aber das Wachstum ist glücklicherweise gerade klein und gesund und man muß halt die Pflanze giessen... in Deutschland produzierter Reggae-Dancehall ist eine kleine Pflanze und die wird halt ständig gegossen und wenn man sie pflegt dann wird sie auch schön.
Kurze Pause.
Force: Die Industrie ist im Moment ja auch auf der Schiene dass sie den Konsumenten selbst die Schuld an der schlechten Lage gibt, von wegen Musikraubkopiererei. Du hast mal gesagt, jemand der kein Geld hat sich die Platte zu kaufen soll sie sich halt runterladen, beziehungsweise etwa in der Art...
Nikitaman: Ja.. ich hab auch gesagt, dass, wenn jeder unsere Platte herunterlädt, wir nicht weiter Musik machen können, das sind zwei Seiten zu denen ich auch immernoch stehe. Wenn jemand kein Geld soll Musik für ihn zugänglich sein, überhaut keine Frage, jeder soll all die Musik hören können die er will - auch wenn er kein Geld hat - und trotzdem ist es so das wir Platten produzieren, auf Vinyl und auf CD, unser eigenes Geld da rein stecken, unsere eigene Arbeit da rein stecken... es wäre halt schön wenn das zurück kommt... ich mach mir aber überhaupt keine Sorgen dass das passiert - wenn die Leute uns kennenlernen und merken dass sie uns damit auch unterstützen, dann wird die Platte auch gekauft. Das Internet ist für uns nur eine große große Werbefläche wo die Leute, wenn sie unsere Lieder finden, hören was wir zu sagen haben und wenn sie's mögen können sie in den Laden gehen und sich die Platte kaufen. - Sie wissen das es was gutes ist und nicht so Kaugummischrott wie das mit dem sie grad von allen Seiten bombardiert werden.
Force: Es halt also schon was positives?
Mono: Ja, man darf es nicht nur als Feind sehen. Der Fehler liegt eindeutig bei der Industrie. Die hat vor Jahren noch nicht erkannt dass man was unternehmen muss gegen die CD-Brenn- und Runterladaktionen...
Nikitaman: Das CD-Format ist das schrottigste und schlimmste Format, so ein kleiner Plastikrohling der unheimlich viel Geld kosten soll im Laden, den man sich aber für wenige Cent selber herstellen kann, was schwachsinnigeres gibts nicht, von mir aus können sie die CD wieder abschaffen und nur noch Vinyl machen... dann hat man ne Platte...
Force: ...die muss man oder will man dann haben...
Nikitaman: Eine Platte kostet vier oder fünfmal mehr in der Produktion als eine CD, aber man hat dann was.
Mono: Die geht auch nicht nach 20 Jahren kaputt.
Force: So abwegig ist das auch garnicht, du sagst die Platte kostet mehr in der Produktion, aber wenn ich in die Shops guck und seh die Preise, die sind in etwa gleich, eine CD bekommst du für 13 Euro, die Platte kostet vielleicht etwas mehr, 15 oder 17 Euro...
Nikitaman: Darum kann ich auch jeden verstehen der sich für fünfzig oder für zwanzig Cent einen Rohling holt und sich das brennt, sich das Cover ausdruckt und zusammenbaut. Für mich ist es schön wenn das Thema zur Diskussion wird und ein Bewusstsein geschaffen wird, dass halt nicht hinter allen Platten 'ne riesen Firma steckt die das Geld ausgeben kann, sondern immernoch auch Privatleute, Platten machen, CDs machen und drauf angewiesen sind dass die gekauft werden.
Mono: Es ist immer wieder auch traurig, zu sehen, wenn ein Independentlabel pleite geht. Die Majors schliessen sich alle zusammen, aber die Independentlabels müssen um alles kämpfen.
Force: Rootdown Records, wieviele Leute sind das?
Nikitaman: Es sitzen drei Leute im Büro im Moment, der Teka sitzt unten im Studio und macht die Beats, der Andre von den Senior Allstars ist auch noch in ein Studio gezogen - macht auch noch selber Arbeiten aber auch Abmischarbeiten, z. B. an unserer Platte - auch an Nosliws Platte, im Büro sitzt der Patrick, der das Label mit dem Teka gegründet hat, der Martin der das Booking macht und der Marius der die Promotion macht, auch fürs Radio und Internet.
Force: Schon so Style - Familienunternehmen, oder?
Nikitaman: Auf jeden Fall. Es baut sich eigentlich nur auf Idealismus auf, es kommen auch immer wieder Leute dazu, Marius ist der letzte der dazu gekommen ist, er hat vorher schon bei 'ner Promotionfirma gearbeitet, der ist schon mit Bedacht ausgesucht, aber auf jedenfall aus diesem großen Freundeskreis. Es ist schon so, dass alle das mit sehr viel Herz machen, sonst würde es nicht funktionieren.
Dann gabs mal wieder eine Pause. :-)
Force: Es gibt das Klischee des Reggaekünstlers der ständig kifft.
Mono: Es ist ein Klischee. Ich habe früher, aber schon lang nicht mehr. Ich kenn auch viele Artists auf Jamaika die nicht kiffen, die Leute in UK kiffen nicht...
Nikitaman: Ich glaub jeder Mensch erfüllt in seinem Leben haufenweise Klischees. In der einen Minute sitzt man mit 'nem Bier am Kicker, am anderen Tag wenns sonnig ist hängst du deinen Ellenbogen aus dem Auto und fährst mit lauter Musik rum, heute abend rauch ich mir 'n Joint und hör mir Reggae an und erfüll das Klischee.
Force: Geiler Denkansatz, find ich, ist die Darstellung im Track "Gras ist legal", passt auf was passiert wenn der Staat es unter seiner Hand hat, es kann doch eigentlich nicht besser werden...
Nikitaman: Alles hat Vor- und Nachteile. Auch die Legalisierung von Gras wird Vor- und Nachteile haben, wobei das 'ne Sicht ist die ich aus Düsseldorf oder aus Nordrhein-Westfalen habe, wo wir eigentlich kaum Bullenstress haben was Rauchen angeht. Wenn ich mir Bayern anguck oder hier Thüringen, da hör' ich Horrorgeschichten und da ist es wahrscheinlich so, dass eine Legalisierung erstmal eine große Entlastung für viele Leute wäre, die ihren Führerschein verloren haben oder womöglich auch in Haft sitzen für eine Pflanze die eigentlich legal war und jahrhundertelang hier gewachsen ist und immer schon benutzt worden ist von Menschen, sei es zu medizinischen Zwecken oder sich in einen anderen Bewußtseinszustand zu versetzen, vielleicht Dinge mal anders zu sehen, aus 'nem anderen Blickwinkel und daraus was zu lernen.
Force: Sind die Bullen in Düsseldorf wirklich smoover drauf, wie du mal gesagt hast? Sind Polizisten dumm?
Nikitaman: Die Bullen in Düsseldorf, die Erfahrung die ich mit denen gemacht hab, wenn sie mich mit Gras erwischt haben... die haben es mir immer zurückgegeben und haben gesagt ich soll woanders rauchen, das find ich schon recht fair. Und... um Polizist zu werden, muss man da dumm sein, was ist dumm? Hörig zu sein und Gesetze zu befolgen oder einfach nur Befehle zu befolgen ohne 'ne eigene Meinung oder Sichtweise haben zu dürfen, ist für mich schon eine Situation in der man dumm sein muss... (schaut aus dem Fenster) ...da fahren sie gerade die Kollegen. - Um sich in so eine Situation zu bringen, als Mensch in seinem Leben, muss man glaub ich schon dumm sein... nicht für sich selbst entscheiden zu können.
Force: Damit sind wir durch, ich hoffe wir werden gleich 'ne geile Show haben, ich bedanke mich für Eure Zeit.
Nikitaman und Mono: Schönen Tag noch, schönes Leben, vielen Dank.
(C)AGENTUR73.
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