Rezension Mono und Nikitaman „Das Spiel beginnt“ (2004, Rootdown Records)Autor: Christian D. für Agentur 73 (force@agentur73.de)
(cd/a73) Beeindruckt war ich vor allem von den großen Wiesen, der Sonne und den weit spannenden Brücken. Am Ufer des Rheins in Nikitamans Heimatstadt Düsseldorf. Als eigentlich gebürtiger Holländer kam er früh nach Deutschland und legte damit den Grundstein, der heute mehr denn je das „Stadtbild“ der hiesigen Reggaeszene ziert.
Hätte Mono, geboren und aufgewachsen in Linz, sich nie für das Studium – und damit für die Chance auf ein Auslandssemester in Bristol (England) - entschieden, es wäre heute wahrscheinlich nichts so wie es ist. Sie lebte in St. Pauls, seines Zeichens das Viertel der „Jamaican Community“. Das Aufflammen Ihrer Leidenschaft für Reggae und Dancehall war somit nur mehr Kür als Pflicht.
Zurück aus England dauerte es nicht lang bis sie beim Linzer Soundsystem Soundgood International einstieg. Ob als DJ oder hinter dem Microphon, sie spielte ihre Fähigkeiten gekonnt aus.
Nikitamans Kontakt mit Punkrock lässt sich auf die Hausbesetzerszene, in der er aufwuchs, zurückführen. Als Straßenmusiker und Trommler in verschiedenen Bands war der Sprung zu SKA und dem thematisch eng angelehnten Reggae dann nur noch eine Frage der Zeit. Später begleitete er nicht nur die Hamburger Everlast Soundstation auf vierwöchiger Tour in Süditalien, sondern formierte sich, sowieso im Süden aktiv, wie Mono, mit dem Linzer Soundsystem Soundgood.
Es gab in der Vergangenheit nur wenige Wochenenden an denen Mono und Nikitaman nicht live unterwegs waren. Einzige logische Schlussfolgerung dieses Treibens liegt vor mir – die gemeinsame Langspielplatte.
Nachdem die ersten vier Gesamtumläufe durch sind und die Boxen sowie die gerade heute neu einziehenden Nachbarn mit feinstem Klang von sommerlich schwingend und wummernd bis experimentell orientalisch auf die kommenden Monate eingestimmt wurden tippe ich diese Zeilen in die Textverarbeitung.
Heute ist die Vorfreude auf die bevorstehende Frühjahres-Tour 2004 in seiner Intensität noch mehr gestiegen als in den langen, vom Warten übersäten, Wochen zuvor. Reggaemusik mit einer sprachlichen Feinheit die in deutschen Landen ihresgleichen sucht. Themen, aufgegriffen im Leben, politisch durchzogen, an keiner Stelle übertrieben, klischeehaft oder nachgeplappert. Jeder Song wirkt echt.
Mono – eine Stimme zum Verlieben – bringt die gesamte Produktion auf ein noch höheres Level. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, nicht dick aufzutragen, wenn ich sage, dass der deutschen Sprache ein weiblicher Reggaekünstler dieser Klasse gefehlt hat, um ihren Status in der weltweiten Szene weiter auszubauen.
Zwei Songs haben es mir besonders angetan: Solang die Sonne scheint und Ich mag Musik. Weitere Anspieltips: Soundbwoy Dead, Sand im Getriebe und Gras ist legal. Live wünsche ich mir Weil wir Parties lieben und Seid ihr bereit. Sommer 2004. Vielen Dank an alle Beteiligten für dieses herrliche Werk.
...:::...